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Liebe-HWK-IHK-Politiker-Wir-muessen-reden-qualitaet-verbraucherschutz

Liebe HWK, IHK und Politiker*innen, wir müssen reden. Qualitäts- & Verbraucherschutz geht anders!

Seit 2016 beschäftige ich mich sehr intensiv mit der Qualität von Handwerkern & Dienstleistern. Ich gründete das Onlineportal Profis-for-you.de in Freising (Oberbayern) und vermittle u.a. Handwerker und Dienstleister aller Art.

Manchmal muss ich nur noch den Kopf schütteln und frage mich gleichzeitig, wie es sein kann, dass Firmen Leistungen anbieten, obwohl die fachlichen Kenntnisse fehlen und/oder diese bei der Ausübung klar gegen die Handwerksordnung (HWO) verstoßen. Und dies ganz offiziell!

Meine Fragen an die HWK München & IHK München sowie die Anregungen an die Politiker*innen finden Sie weiter unten.

„Schwarze Schafe“ schaden dem Handwerk

Nur bei 41 Handwerksberufen ist für die Gründung des eigenen Betriebes eine Meisterausbildung notwendig
z.B. Maler & Lackierer, Elektriker, Heizung & Sanitär, Schreiner/Tischler
Link zur PDF-Liste der Handwerksberufe Anlage A (mit Meisterpflicht)

Für die zulassungsfreien und handwerksähnlichen Handwerksberufe ist keine Qualifikation notwendig. Hier ist nicht einmal eine Berufsausbildung vorgeschrieben und Jede/r kann ohne Berufsnachweis ein Gewerbe anmelden und sich dann z.B. Fliesenleger, Bodenleger, Fotograf o.ä. nennen – auch wenn keine Fähigkeiten vorhanden sind d.h. kein Gesellenbrief oder ein gleichwertiger Abschluss.

Fehlende Abgrenzung von Hausmeisterservice zum Handwerk

Die Leistungen für Hausmeisterservice sind klar geregelt: Offizielle Information von der IHK München (PDF). Zahlreiche Tätigkeiten dürften nur mit entsprechender handwerklicher Qualifikation ausgeübt werden – eigentlich!

Manche Hausmeisterservice bieten einfach mal „ALLES“ an – ungeachtet davon, dass gegen die Handwerksordnung verstoßen wird. Auf Fahrzeugen, Internet- und/oder Facebook-Seiten werden ganz offiziell Malerarbeiten, Sanitärarbeiten oder Leistungen als sogenannte „Innenausbauer“ angeboten. Ich sollte hier für alle Laien erklären, dass es das Gewerk „Innenausbau“ nicht gibt und es davon abhängt, welche Arbeiten überhaupt durchgeführt werden sollen. Hier möchte ich auf die obigen Listen (Anlage A, Anlage B1 sowie Anlage B2) verweisen.

Ach, aber wer braucht schon eine 3-jährige Berufsausbildung oder eine Meisterprüfung, wenn der Handwerker*in ein sogenannter „Allrounder“ ist. Wird schon gut gehen. 😉 *IronieOFF*

Liebe HWK München und IHK München, nun mal meine Fragen an Sie:

  • Warum wird es von Ihnen geduldet, dass Firmen gegen die Handwerksordnung (HWO) verstoßen?
  • Welche Stelle prüft eigentlich die „handwerkliche Qualifikation“?
  • Warum wird durch Ihre Eigeninitiative nicht gegen HWO-Verstöße vorgegangen?
  • Warum gibt es keinen vereinfachten Beschwerdeweg und wird dem Meldenden nicht nach Abschluss der Prüfung über das Ergebnis informiert?
  • Was tun Sie für den Verbraucherschutz?
  • Warum gibt es keine Prüfstellen von HWK und IHK, die Firmen eigenständig überprüfen, Überprüfungen der verschiedenen HWK und IHK miteinander abstimmen und damit sicherstellen, dass

a) die Einhaltung der Handwerksordnung durchgesetzt wird?
b) Sie die Verbraucher*innen vor finanziellem Schaden bewahren? In manchen Fällen geht es um die Existenz, wenn der Kunde/Kundin auf dem Schaden sitzen bleibt, weil die Versicherung nicht zahlt bzw. die Firma in Privatinsolvenz geht.
c) Sie die Firmen unterstützen, die sich an Gesetze halten? Vorallem auch deshalb, weil Sie eigentlich diese Firmen vertreten sollten und jede Firma dafür einen gesetzlichen Kammerbeitrag bezahlt.

Liebe Politiker*innen,

aktuell diskutieren Sie über die Wiedereinführung der Meisterpflicht. Dies soll den Qualitätsstandard sicherstellen und die Ausbildungsberufe aufgrund des extremen Fachkräftemangels im Handwerk attraktiver machen. Ich persönlich finde diese Forderung aufgrund folgender Gründe nicht zielführend:

  1. Führen Sie in den Handwerksbereichen, in denen unbedingt spezielle Kenntnisse benötigt werden (u.a. Fliesenleger, Bodenleger, Garten- und Landschaftsbau), eine Mindestqualifikation wie beispielsweise den Gesellenbrief ein. Eine Meisterausbildung ist keine Garantie für gute Qualität und ich kenne viele Gesellen mit eigenem Betrieb, die Topleistung anbieten, ihr Handwerk verstehen und das Gewerk bestens vertreten.
  2. Bitte hören Sie auf, das Abitur und Studium als DEN Weg hervorzuheben und werten damit die duale Ausbildung ab. Weltweit wird Deutschland für dieses Angebot beneidet.
  3. Fördern Sie finanziell Betriebe, die Nachwuchs ausbilden. Was bringt es, wenn jeder Betrieb einen Gesellen/Gesellin mit Berufserfahrung einstellen will, aber keinen Nachwuchs selbst ausbilden möchte?!? Der „Gesellentopf ist leer“ und aktuell werden Mitarbeiter teilweise von anderen Betrieben abgeworben.
  4. Zahlen Sie den Azubis im Handwerk zusätzlich zur betrieblichen Ausbildungsvergütung eine monatliche Pauschale und stärken dadurch das Handwerk und erhöhen die Attraktivität.
  5. Was werden Sie unternehmen, um die Verbraucher*innen vor „schwarzen Schafen“ zu schützen?
  6. Schließen Sie sich z.B. der Kampagne „Mein Handwerk“ von Handwerk.de (z.B. https://handwerk.de/bild-tool) an und „werben“ Sie aktiv für Handwerksberufe, denn Handwerker werden oft als zweite Klasse angesehen – auch durch manche Vertreter*innen aus der Politik.
  7. Führen Sie eine Verpflichtung ein, dass alle zukünftigen Gründer*innen (nicht nur im Handwerksbereich) vor der Gründung einen betriebswirtschaftlichen Kurs inkl. Prüfung mit den wichtigsten Themen u.a. Steuern, Preisgestaltung, Rechte & Pflichten etc. absolvieren müssen. Bei den Taxi- und Mietwagenunternehmern ist dies bereits verpflichtend. Diesen Kurs könnte abhängig der Branche die HWK oder IHK anbieten und dient zum Schutz für die Gründer*innen selbst und auch gegenüber den Verbraucher*innen.

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