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Münzen

Die vernachlässigten Säulen: die kleinen Unternehmen sind mit 96,4% aller Betriebe in Deutschland klar die Mehrheit – eigentlich!

Mehr als 80% der insgesamt 3,5 Millionen deutschen Unternehmen sind kleine Unternehmen und beschäftigen weniger als zehn Mitarbeiter. Sie tragen einen sehr großen Anteil an dem Wirtschaftsboom bei, übernehmen Verantwortung für die Gesellschaft und setzen sich stark im sozialen Engagement vor Ort ein. Trotzdem finden die Belange dieser Betriebe kaum Gehör in der Öffentlichkeit. Die Medien berichten mit Vorliebe von mittelständischen und Großbetrieben. Damit finden die Schwierigkeiten der 2,4 Millionen selbständigen Leistungsträger kaum Beachtung. Den Kleinst- und Kleinbetrieben fehlt die Lobby.

Die schweigende Mehrheit

Rund 2,4 Mio. Betriebe wurden als kleine bzw. mittlere Betriebe eingestuft. Dieser gigantischen Zahl stehen gerade einmal 18.000 Großbetriebe gegenüber. Ihre Belange werden in der Öffentlichkeit wieder und wieder diskutiert. Die Herausforderungen der kleinen Betrieben (z.B. steigende Bürokratie, die Umsetzung der DSGVO, neue gesetzliche Vorschriften) wird viel zu selten gehört. Eine Unterstützung bei der Umsetzung von neuen rechtlichen Vorschriften durch die Behörden wie beispielsweise vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) fehlt.

Selbstverständlich ist der erzielte Umsatz von einem Unternehmen ein wichtiger Faktor für die deutsche Wirtschaft und ein Wegfall eines kleinen Betriebes ist für das große Ganze nicht von Relevanz. Was aber, wenn es nicht mehr nur einzelne Kleinbetriebe trifft, sondern eine erschreckend hohe Zahl?

Gründerzahlen sind zurückgegangen – auch aufgrund der Bürokratie

Vor Kurzem äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) verwundert darüber, dass die Firmengründungen zurückgegangen sind. Anscheinend haben viele Politiker*innen noch nicht verstanden, dass es sehr viele Hürden für den Schritt in die Selbständigkeit gibt, die Grundvoraussetzungen vor allem für die ersten zwei Jahre fehlen und die Bürokratie steigt. War es nicht geplant, die Bürokratie abzubauen?!?

Die aktuellsten Zahlen & Fakten im Überblick (2016)

Aktualisiert: 27.08.2018
Quelle: Statistisches Bundesamt

  • Gesamtanzahl der deutschen Unternehmen: ~3,5 Mio. (3.476.193)
  • 96,4% sind Kleinst- und kleine Betriebe mit bis 49 Mitarbeitern (ca. 3,35 Mio.)
  • davon ca. 2 Mio. Kleinstunternehmen & Solo-Selbständige
  • 41,8% aller Arbeitnehmer arbeiten in Kleinst- und kleinen Betrieben
  • nur etwa 18.000 Unternehmen sind Großbetriebe
 MitarbeiterJahresumsatz%-Anteiltätige Personen
Kleinstunternehmenbis 9 MAmax. 2 Mio.80,4%18,6%
kleine Unternehmen10 bis 49 MAmax. 10 Mio.16,0%23,2%
mittlere Unternehmen50 bis 249 MAmax. 50 Mio.2,9%19,3%
Großunternehmenab 249 MAmehr als 50 Mio.0,7%38,8%

Die Automobilindustrie ist das Lieblingsthema in Politik & Medien

Das Auto ist der große Liebling der Deutschen. Dies gilt nicht nur für die Verbraucher, sondern auch für die Medien. Die Zahl der Beschäftigten in der Automobilbranche beträgt lediglich rund 800.000. Erfasst sind hier die Mitarbeiter der Autobauer sowie der Zulieferer. Obwohl dies eine verhältnismäßig geringe Zahl ist, sind Themen der Autoindustrie omnipräsent in Rundfunk, Zeitungen, Internet und TV.

Durch Fachkräftemangel im Handwerk steigen in Zukunft die Preise

Früher waren Handwerker hoch geachtete Leute. Man schätzte ihre Fertigkeiten und achtete sie als wertvollen Bestandteil unserer Gesellschaft. Dieses Bild hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Ein Beruf, bei dem man sich „die Hände schmutzig macht“ genießt heute eine eher geringe Wertschätzung. Es wundert also nicht, dass die Betriebe händeringend nach Auszubildenden suchen. Der Anteil der Abiturienten steigt beständig an. Das hat zur Folge, dass immer mehr junge Menschen an die Universitäten drängen. Schlechte Aussichten für die handwerklichen Berufe.
Neben dem bereits weitverbreiteten Fachkräftemangel, der in fast allen der 579.264 Handwerksbetriebe herrscht, haben die meisten Unternehmen auch mit der Nachfolgeregelung zu kämpfen. In den nächsten Jahren werden viele Handwerksbetriebe schließen, was sich auch auf die Preise auswirken wird. Eine Ausbildung im Handwerk wird sich in Zukunft auf jeden Fall „auszahlen“.

Fakten im Handwerksbereich

  • Handwerksbetriebe sind hauptsächlich kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
  • Anzahl der Unternehmen im Handwerk: 579.264 von 3,5 Mio.
  • %-Anteil im Vergleich aller Unternehmen: 16,7%
  • durchschnittlich 9 Personen arbeiten in einem Handwerksbetrieb
  • etwa 104.000 € wurde je tätiger Person erwirtschaftet
  • mehr als 5,1 Mio. tätige Personen arbeiten im Handwerk
    – 3,8 Mio sozialversicherungspflichtige Beschäftigte
    – 730.000 geringfügig entlohnte Beschäftigte

Was passiert, wenn es das Handwerk nicht geben würde, zeigt dieses Video:

Schlussbemerkung: Nicht nur der Umsatz ist entscheidend – auch die „kleinen Dinge“ sind von großem Wert!

Der wirtschaftliche Erfolg hat maßgeblichen Einfluss auf die Stellung eines Unternehmens am Markt. Dabei sollte man aber nicht übersehen, dass „Kleinvieh auch Mist macht“, um einmal ein etwas banales Beispiel heranzuziehen. Einem großen Unternehmen stehen viele kleine gegenüber. Das sollte eigentlich auch beim Stellenwert für Balance sorgen. Es ist an der Zeit, den Fokus etwas mehr auf die Probleme und Bedürfnisse der kleinen Unternehmen zu richten.

Schließlich und endlich: Was wäre unsere Welt ohne frische Brötchen? Was wäre, wenn beim nächsten Wasserrohrbruch kein Klempner mehr zu finden wäre?

Quellen:

Destatis (Statistisches Bundesamt)
WirtschaftsWoche


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Zur Autorin: Gudrun Petz

Gudrun Petz – Women in #Tech & #Handwerk | Seriengründerin | Unternehmerin | Geschäftsführerin
2016 hat Gudrun Petz Profis-for-you.de gegründet und ist alleinige Inhaberin von dem Onlineportal. Für private und gewerbliche Auftraggeber findet das Unternehmen regionale Handwerker, Dienstleister aller Art & Eventlocation mit freien Kapazitäten und fairem Preis-Leistungs-Verhältnis. Mehr Infos unter www.profis-for-you.de.
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2 Gedanken zu „Die vernachlässigten Säulen: die kleinen Unternehmen sind mit 96,4% aller Betriebe in Deutschland klar die Mehrheit – eigentlich!

  1. Die kleinen Unternehmen und Haendler muessen gestuetzt werden. Grundrente fuer Solounternehmer und Kleinstunternehmer. DSGVO fuer kleine Unternehmen nicht umsetzbar. Auch Offene Kassen unglaublicher Aufwand. Die grossem, MIT Sitz in IIrland…. zahlen fast keine Steuern … Ein Desaster…..

    1. Danke für Ihre Antwort. Die DSGVO ist grundsätzlich eine gute Sache. So muss jeder Unternehmer*in überlegen, wie er eigentlich mit Kundendaten also „fremden Daten“ umgeht. Leider ist der Umfang für Kleinstbetriebe und Vereine sehr zeit- und kraftintensiv. Hier muss dringend nachgebessert werden.

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